Flora Emslandia - Pflanzen im Emsland

Drüsiges Springkraut

Impatiens glandulifera, Drüsiges Springkraut, Drüsen

Den Namen erhielt die Art aufgrund langstieliger Drüsen auf dem Blattstiel und an der Blattbasis

 

Impatiens glandulifera Doyle: John Forbes Royle, ein englischer Botaniker, beschrieb das Drüsige Springkraut erstmals im Jahre 1835. Vier Jahre später wurden Samen der Pflanzen aus Kaschmir nach England importiert. 1854 tauchte die Pflanze zum ersten Mal in Deutschland auf. 1904 entdeckte man die ersten verwilderten Exemplare in der Schweiz, südlich von Basel, von wo sie sich entlang des Rheins immer weiter ausbreiteten. Heute ist die Art, die feuchte und nährstoffreiche Böden benötigt, fast in ganz Europa entlang von Waldrändern, Wasser- und Verkehrswegen vertreten.

„Egrasiophyten", so bezeichnet man nicht heimische Pflanzen, die nach 1492 absichtlich eingeführt wurden und dann verwilderten. Das Drüsige Springkraut ist so ein Egrasiophyt, und er bereitet arge Probleme. Als invasiver Neophyt verdrängt er nämlich heimische Arten.

Noch verbreitet er sich hauptsächlich an Ufern von Flüssen und Bächen, manchmal auch an Straßen- und Waldrändern, doch wenn man ihm nicht Einhalt gebietet, kann er in geschützte Feuchtwiesen, Auen und Hochmoore eindringen, was ihm teilweise sogar schon gelungen ist, und die dortige Artenvielfalt dezimieren. Zudem destabilisiert die Pflanze, die in dichten Beständen auftritt, die Ufer von Gewässern, da ihre Wurzeln, die ohnehin nicht tief in den Boden reichen, im Winter absterben.

Konkurrenzstark ist die Himalaja-Pflanze dadurch, dass sie sehr rasch wächst und große Keim- und Laubblätter ausbildet, die den natürlich vorkommenden Pflanzen das Licht entziehen. Darüber hinaus fehlen in ihrem neuen Verbreitungsgebiet ihre natürlichen Schädlinge sowie spezifische Pflanzenkrankheiten.

Durch den Schleudermechanismus, der die Samen bis zu 4 m weit fliegen lässt, kann sich die Pflanze jährlich in einem Radius von 8 m ausbreiten, bei starkem Wind sogar noch weiter. Zusätzlich werden die Samen von Wasserläufen, zusammen mit Sand und Kies, in neue, noch vom Springkraut unbesiedelte Bezirke getragen.

Impatiens glandulifera, Drüsiges Springkraut, helle Blüten

Die Blüten von Impatiens glandulifera können weiß, rosa oder...

 

Das Drüsige Springkraut ist ursprünglich in Ostindien und dem Himalajagebirge beheimatet. Die strengen klimatischen Bedingungen zwangen die Pflanzen während ihrer Evolution dazu, eine große Zahl Samen zu erzeugen. An jeder einzelnen Pflanze sind meist Knospen, Blüten und Früchte gleichzeitig vorhanden. Jede Blüte besitzt eine Blühdauer von ca. 2 Tagen, während der sie meist bestäubt wird. Pro Frucht werden knapp 10 Samen gebildet. So schafft es eine einzige Pflanze während der Vegetationsperiode, bis zu 250 Blüten auszubilden und damit bis zu 2500 Samen zu produzieren, die in unseren Breiten alle keimfähig sind.

Auch Nektar und nahrhafter Pollen werden reichlich produziert. Der gehaltvolle Saft besteht zu über 50% aus Zucker und zieht mit seinem süßen Duft Insekten wie Bienen und Hummeln an, die sich lieber beim Drüsigen Springkraut bedienen, anstatt kleinblütige, einheimische Pflanzen zu bestäuben, die im Gegensatz dazu kaum Nektar und Blütenstaub anzubieten haben.

Will man dem Drüsigen Springkraut dennoch etwas Positives abgewinnen, so sei auf den hohen Zierwert der stattlichen Kräuter mit den großen Blüten hingewiesen. Sie bieten teilweise sogar noch im Oktober eine reiche Nahrungsquelle für Insekten.

Drüsiges Springkraut, rote Blüten

...tiefrot sein

 

Interessant ist der Mechanismus gegen Selbstbestäubung: Zuerst reifen die 5 Staubblätter, die über der Narbe kapuzenartig verwachsen sind. An der Basis sind die Staubfäden verbreitert, sodass sie den gesamten noch unreifen Fruchtknoten fast vollständig verhüllen. Während der Blühphase drückt der reifende Fruchtknoten diese Säule komplett aus der Blüte heraus und gibt den Stempel frei.

Aufgrund seiner verheerenden Auswirkungen auf heimische Ökosysteme, sollte man versuchen das „Radde-Kraut" wieder aus Europa zu vertreiben, bzw. eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Ein probates Mittel ist, die Pflanzen vor der Samenproduktion zu jäten, was kein großes Problem darstellt, da sie nur sehr flach wurzeln. In manchen Gegenden wird das in großem Stil praktiziert.

Die Samen sind 6 Jahre keimfähig, sodass man das Prozedere einige aufeinanderfolgende Jahre wiederhohlen muss. Zudem müssen die gejäteten Pflanzen kompostiert werden, da sich die Stängel unter günstigen Bedingungen wieder bewurzeln können. Will man aber die Ursache für die starke Verbreitung „an der Wurzel packen", so muss man der Überdüngung von Gewässern und Böden entgegenwirken und dem Springkraut so die Nahrungsgrundlage entziehen. Außerdem sollte man darauf bedacht sein, die Invasion nicht dadurch zu unterstützen, dass man die „Wupperorchidee" in Gärten kultiviert und sie womöglich noch als Gartenabfall in den Wäldern entsorgt.