Von Kräutern, Unkräutern, Unbäumen und Unrosen

Was sind eigentlich Kräuter? Da stelle mer uns ma janz dumm. Kräuter sind z.B. Anis, Petersilie, Schnittlauch und Basilikum. Die bezeichnet man als Küchenkräuter. Auch Johanniskraut, Kamille, Pfefferminze und Baldrian sind Kräuter – Heilkräuter sogar. Aber was ist mit Brennnesseln, Franzosenkraut, Giersch und Vogelmiere? Das sind Unkräuter.




Aber stimmt das wirklich? Nein, es handelt sich tatsächlich um Kräuter. Für den Botaniker sind nämlich alle Pflanzen, die nicht verholzt sind, ebensolche. Natürlich gibt es wie immer ein paar Ausnahmen, denn diese bestätigen bekanntlich die Regel: Gräser, Farne, Moose, Schachtelhalme…

Was sind denn jetzt eigentlich Unkräuter? Ein Unkraut ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Kraut, so wie ein Unmensch ein Mensch, ein Untier ein Tier und eine Unzahl eine Zahl ist, nur möchte man im Allgemeinen von unzähligen Unmenschen, Untieren und sonstigen Ungetümen verschont bleiben.

So verhält es sich auch mit Unbäumen. Sie machen sich überall dort breit, wo eigentlich auch Bäume wachsen könnten. Zwei dieser Kameraden möchte ich hier vorstellen:

 

Die aus Nordamerika stammende Robinie (Robinia pseudoacacia): Als junge Pflanze schlägt sie mit ihren bis zu 3 cm langen, dolchartigen Dornen alles in die Flucht, was an ihr knabbern könnte. Später, wenn sie unangreifbar geworden ist, streckt sie die Waffen, blüht und gedeiht und entwickelt 30 Jahre haltbare Samen, die nur auf genügend Licht warten, um sich erneut mit spitzen Dornen den Weg zu ebnen. Ein Unbaum par excellence.

Die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) stammt ebenfalls aus Nordamerika. Sie säumt zahlreiche Fuß- und Radwege entlang der Ems und wird von dort auch wohl nie wieder verschwinden. Man kann ihr allerdings etwas Positives abge­winnen: Die Unfrüchte dieses Unbaums sind essbar und wie ich finde ungemein lecker, besonders wenn die Sonne knallt, man irgendwo zwischen Meppen und Bokeloh umherirrt, und die Wasserflasche vergessen hat.

Zum Schluss möchte ich noch einen Unstrauch präsentieren: Rosa rugosa, die Kartoffelrose. Die Wildrose mit dem melodischen wissenschaftlichen Namen wächst so ziemlich überall am Straßenrand und bildet undurch­dringliche Dornrös­chen-Hecken. Die äußere Schale der Früchte allerdings ist essbar und sehr Vitamin-C-reich, außerdem liefern die Nüsschen im Inneren ein leistungsstarkes Juckpulver.




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