Dicke Brille, dünnes, straßenköterblondes Haar, Rollkragenpullover, ungeschminkt, schüchtern, prüde und verschlossen, so stellen wir uns Mauerblümchen vor. Ursprünglich wurden diejenigen Mädchen so genannt, die auf Dorffesten nie zum Tanz aufgefordert wurden und stattdessen auf der Mauer, die oftmals die einzige Sitzgelegenheit bot, versauerten.
Natürlich bezieht sich der Gattungsname auf den Standort, denn viele Schöteriche wachsen auf Schotter, Kies oder eben auf Mauern. Ihre Blüten sind so unauffällig, wie es sich für Mauerblümchen gehört. Oft sind sie klein und gelb – das auffälligste Merkmal sind die langen grünen Schoten. Manche halten sie für verlängerte, schmale Blätter, doch es sind die Früchte eines wenig ereignisreichen Mauerblümchen-Daseins.
Ein sehr auffälliges Mauerblümchen, verzeiht mir das Oxymoron, heißt „Goldlack“ (Erysimum cheiri). Es gehörte früher nicht in diese Gattung, sondern zu Cheiranthus, dessen wissenschaftlicher Name sich aus den griechischen Vokabeln für „Hand“ und „Blüte“ zusammensetzt.
Die Blüte, die man gerne pflückt und in der Hand hält, hat eigentlich recht wenig mit unserer Vorstellung von Mauerblümchen gemein, doch mit der Zusammenlegung der Gattungen gewannen die Mauerblümchen eine Königin, die in zahlreichen Zuchtformen unsere Gärten ziert.
